Seekrankheit

Seekrankheit wird von Medizinern Kinetose genannt, also wörtlich übersetzt Bewegungskrankheit. Diese kann, wie der Name schon vermuten lässt auch im Auto, Flugzeug oder Zug auftreten. Die Sym­ptome wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Schweißausbrüche kön­nen in seltenen Fällen bis hin zum Kreislaufzusammenbruch führen.

Die Ursache liegt darin, dass dem Gehirn unterschiedliche Informa­tionen vermittelt werden. Der Gleichgewichtssinn meldet: es schwankt unter mir, die Füße aber melden: der Boden, auf dem ich stehe ist fest. Früher oder später kapituliert das Gehirn und meldet zurück: mir ist schlecht!

Vorbeugung:

Damit es gar nicht erst soweit kommt zunächst einmal einige Empfehlungen, um Kinetosen vorzubeugen:

  1. Vor Bootsfahrten nicht zu viel essen oder trinken, ein zu voller Magen fördert die Übelkeit.
  2. Kaffee- und Alkoholkonsum können die Übelkeit verschlimmern.
  3. Während der Bootsfahrt möglichst Mittschiffs und nicht unter Deck aufhalten, dabei den Horizont beob­achten, keinesfalls die Kabinenwand anstarren oder lesen.
  4. Nur ins Wasser gehen, wenn noch keine Übelkeit eingetreten ist. Erfahrungsgemäß tritt bei normalem Wellengang ab 3-5 m Tiefe auch keine Übelkeit mehr auf.

Medikamentöse Maßnahmen:

Alle Medikamente gegen Kinetosen haben leider Nebenwirkungen auf das zentrale Nervensystem, wie Müdigkeit, Reaktionsverlangsamung, Seh- und Koordinationsstörungen oder Schwindel.

So können die gut wirksamen Scopoderm TTS-Pflaster die Pupillenreaktion beeinträchtigen und damit zu Sehstö­rungen bis hin zur Desorientiertheit führen oder das beliebte Vomex A kann neben Reaktionsverlangsamung zu Benommenheit und Schwindel führen – Symptome also, die sehr ernste Folgen haben können, je nachdem, was man nach Einnahme der Medikamente vor hat.

Hingegen gibt es aus der Naturheilkunde Ingwer-Präparate oder aus der Homöopathie Cocculu D12 Anfertigun­gen, die beide frei sind von solchen Nebenwirkungen, deren Wirksamkeit aber auch sehr umstritten ist.

Eine interessante Alternative bieten sogenannte „Sea-bands“. Hier­bei handelt es sich um elastische Armbänder, die mit einem erhabe­nen Plastikknopf versehen sind und so angelegt werden, dass der Knopf einen leichten aber permanenten Druck auf die Innenseite des Handgelenks ausübt. Abgeleitet aus der Akupressur befindet sich dort ein Druckpunkt gegen Übelkeit. Bei Besatzungen von Hoch­seerennyachten, an denen wir diese Armbänder erprobten, haben wir tatsächlich eine deutliche Reduzierung der Beschwerden fest­stellen können. Allerdings fehlen auch hier wissenschaftliche Bewei­se für die Wirksamkeit.

Fazit:

Letztlich gibt es aber noch einen Trost: die Reaktionen auf Bewegungsreize sind trainierbar. D. h. wenn jemand lang genug auf See ist gewöhnt sich fast jeder an das Schaukeln, einige früher – andere später. Astronau­ten müssen beispielsweise in der Schwerelosigkeit arbeiten, einem Gefühl im Magen wie ein ständiger freier Fall. Jeder Astronaut lernt den Umgang hiermit in „Kotzbombern“ (umgangsprachlicher Jargon der Flugmediziner): in immer wieder kehrenden Sturzflügen dieser Flugzeuge aus großen Höhen müssen sich die Raumfahrer an die­ses Gefühl gewöhnen und … es klappt!